sehepunkte 26 (2026), Nr. 6

Jelko Peters: Orientierungswissen Geschichtsunterricht

Die Planung von Geschichtsunterricht ist eine zentrale und ziemlich komplexe Aufgabe von Lehrer:innen. Auch wenn diese vermeintlich profane Feststellung in der schulischen Praxis unter den vielen anderen Aufgaben gelegentlich in den Hintergrund tritt, ist die Konzeption von Unterrichtsstunden und -reihen in einem inhaltlich weitreichenden Fach mit vielen verwobenen Informationen wie Geschichte herausfordernd. Gerade Student:innen im Praxissemester und Referendar:innen in der zweiten Ausbildungsphase müssen für die Planung ihres Unterrichts viele Fragen zwischen Fachdidaktik, allgemeiner Didaktik (9) und institutionellen Rahmenbedingungen in einer diversen Gesellschaft beantworten. Diese Antworten zu finden, ist auch ohne den Zeitdruck eines nahen Unterrichtsbesuchs nicht einfach (7).

Hier setzt Jelko Peters Band "Orientierungswissen Geschichtsunterricht" an, der als Fortsetzung des schon älteren "Geschichtsstunden planen" [1] und des Methodenlexikons für den Unterricht [2] betrachtet werden kann (9). In insgesamt sechs Kapiteln auf 250 Seiten werden zentrale Themen für die Planung eines fundierten Geschichtsunterrichts dargestellt. Das erste Kapitel konzentriert sich auf die Kernbegriffe historischen Lernens wie Geschichtsbewusstsein (15) und Kompetenzen im historischen Lernen. Das vorgeschlagene Kompetenzmodell mischt die Konzepte anderer fachdidaktischer Modelle und enthält auch Aspekte, die weniger dem historischen Lernen und mehr der Orientierung im Unterrichtsgeschehen und Medienkompetenzen zuzuordnen sind (33). "Orientierungswissen im Geschichtsunterricht" berücksichtigt damit auch Aspekte der Planung von Geschichtsunterricht, die außerhalb des Blicks der Geschichtsdidaktik liegen. Dazu gehören beispielsweise die Explikation der Kompetenzdefinition (32) und eine knappe Berücksichtigung von Lernpsychologie und Konstruktivismus (35/36). Dieses Vorgehen dürfte nicht überall Zustimmung finden, ist als Handlungsanleitung für reale Unterrichtsplanung aber plausibel. Das Kapitel schließt mit einem Phasierungsmodell historischen Lernens im Unterricht ab (37), das sich unmittelbar auf das zuvor skizzierte Kompetenzmodell bezieht. Die folgenden Kapitel widmen sich der Themenkonstruktion (41-54) und den Strukturierungsprinzipien (55-65). Im vierten Kapitel wird die Planung des Unterrichts thematisiert. Dazu gehört ein umfangreicher Überblick zu Methoden im Geschichtsunterricht, die den verschiedenen Phasen des Unterrichts zugeordnet sind (115ff.). Die beiden folgenden Kapitel liefern unterstützendes Material für die eigene Unterrichtsplanung in Form von exemplarischen Templates (168/169) und Vorschläge zur Konzeption von Lernaufgaben, beispielsweise zu aktuellen Debatten der Geschichtskultur (225) oder Geschichte im Spiel (250/251). Im kurzen Anhang folgen Übersichten zu den methodischen Anregungen und ein Verlaufsplan (263).

Im Literaturverzeichnis des Bandes werden (fast) alle wichtigen Autor:innen der Geschichtsdidaktik benannt, so dass Student:innen und Referendar:innen dort noch einmal einen Anhaltspunkt für weitere Lektüren finden. Beiträge zur Inklusion von Sebastian Barsch [3] oder Sprache im Geschichtsunterricht von Saskia Handro [4] fehlen dort allerdings wie auch im Text, obgleich die Verpflichtung zur Differenzierung anerkannt (7, 33, 118-120) und die Notwendigkeit gesteuerter Texterschließung basal berücksichtigt wird (144/145). Beim Schwerpunkt auf Lernaufgaben wäre ein Bezug zu den Arbeiten von Holger Thünemann und Manuel Köster plausibel gewesen (173/174). [5] Innerhalb des Textkorpus sind die Belege allerdings auffällig selten, so dass von Jelko Peters zusammengefasste Konzepte unbelegt im Text stehen, obwohl diese im Literaturverzeichnis erscheinen (17, 25, 33, 126, 248, 250, 252). Als Folge verpasst der Band die Chance, explizit auf weiterführende Literatur - beispielsweise in hervorgehobenen Boxen - zu verweisen. Der Band bleibt dabei konzeptionell stringent und fokussiert auf das proklamierte Ziel. Die Darstellung ist dadurch jedoch oberflächlicher. Dem Nutzen des Bandes für die Unterrichtsplanung schadet dies nicht, aber die Einbettung in die oft sehr spezifischen geschichtsdidaktischen Forschungsfragen bleibt ausgehend vom vorliegenden Band unklar.

Einige sachliche Ungenauigkeiten/Fehler (33, 45, 75) sind schnell überlesen und fallen nicht weiter ins Gewicht, aber bei Student:innen und Referendar:innen dürften sie unreflektierte Verbindungen beispielsweise zwischen Kompetenzorientierung und Differenzierung oder unterkomplexen Zugriffen zur Arbeit mit Bildern im Geschichtsunterricht verstetigen.

Insgesamt erhalten Student:innen und Referendar:innen einen Band, der ihnen bei der Planung von Geschichtsunterricht zweifelsohne helfen wird. Auf eindeutige Fragen nach dem Modus der Unterrichtsplanung werden eindeutige Antworten gegeben. Diese Positionierung ist eine Stärke des Bandes für die Zielgruppe, da Templates angeboten werden, die eine unmittelbare Gestaltung von Unterricht ermöglichen (168/169 und 170-172). Der Band bietet damit solide Hilfestellungen, um die Planungsprozesse des Geschichtsunterrichts zu strukturieren und effizient abzuarbeiten.

Zusammen mit "Geschichtsstundenplanung" [6] und "Geschichte unterrichten" [7] ist Jelko Peters Band "Orientierungswissen im Geschichtsunterricht" eine gute Grundlage für Student:innen und Referendar:innen, die auf der Suche nach Handreichungen für die ausufernd komplexe Aufgabe der Unterrichtsplanung sind. Der Text ist gut lesbar und auch zum Nachschlagen einzelner Abschnitte geeignet (273-280). Einige inhaltliche Schwächen und Lücken trüben den guten Eindruck des Bandes, der in seiner Klarheit positiv von angehenden und jungen Lehrer:innen aufgenommen werden dürfte. Die Berücksichtigung allgemeindidaktischer Faktoren und das vorgestellte Kompetenzmodell mögen aus geschichtsdidaktischer Perspektive Kritik hervorrufen, sind aber mit Blick auf die schulische Praxis plausibel und stimmig. In der Unterrichtspraxis spielen nicht nur fachdidaktische Überlegungen eine Rolle und Jelko Peters entscheidet sich richtigerweise dazu, dies zu bedenken.


Anmerkungen:

[1] Jelko Peters: Geschichtsstunden planen, St. Ingbert 2018.

[2] Jelko Peters: Methodenlexikon für den Geschichtsunterricht, St. Ingbert 2016.

[3] Sebastian Barsch: Diversitätssensibler Geschichtsunterricht, in: Monika Fenn / Meik Zülsdorf-Kersting (Hgg.): Geschichtsdidaktik. Praxishandbuch für den Geschichtsunterricht, Berlin 2023, 233-249.

[4] Saskia Handro: Sprachbildung im Geschichtsunterricht. Leerformel oder Lernchance?, in: Katharina Grannemann /Sven Oleschko / Christian Kuchler: Sprachbildung im Geschichtsunterricht. Zur Bedeutung der kognitiven Funktion von Sprache, Münster 2018, 13.

[5] Manuel Köster: Aufgabenkultur im Geschichtsunterricht, Frankfurt 2021, 54.

[6] Martin Buchsteiner / Jan Scheller / Martin Nitsche: Geschichtsstundenplanung, Frankfurt 2023.

[7] Michael Sauer: Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik, Seelze 2025.

Rezension über:

Jelko Peters: Orientierungswissen Geschichtsunterricht. Methoden, Planungshilfen, Lernaufgaben (= Geschichte unterrichten), Frankfurt/M.: Wochenschau-Verlag 2025, 280 S., ISBN 978-3-7344-1744-3, EUR 32,90

Rezension von:
Jan Siefert
Universität Essen
Empfohlene Zitierweise:
Jan Siefert: Rezension von: Jelko Peters: Orientierungswissen Geschichtsunterricht. Methoden, Planungshilfen, Lernaufgaben, Frankfurt/M.: Wochenschau-Verlag 2025, in: sehepunkte 26 (2026), Nr. 6 [15.06.2026], URL: https://www.sehepunkte.de/2026/06/41046.html


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