Gwilym Dodd / Helen Lacey (eds.): Fourteenth Century England XIII (= Fourteenth Century England; XIII), Woodbridge / Rochester, NY: Boydell & Brewer 2025, XIV + 190 S., ISBN 978-1-78327-754-4, GBP 85,00
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Gwilym Dodd / Anthony Musson (eds.): The Reign of Edward II. New Perspectives, Woodbridge / Rochester, NY: Boydell & Brewer 2006
Gwilym Dodd / Craig Taylor (eds.): Monarchy, State and Political Culture in Late Medieval England. Essays in Honour of W. Mark Ormrod, York: York Medieval Press 2020
Gwilym Dodd (ed.): Fourteenth Century England X, Woodbridge / Rochester, NY: Boydell & Brewer 2018
Wer sich mit der Geschichte Englands - und aufgrund vielfältiger Verflechtungen deshalb auch mit der Geschichte Europas - im 14. Jahrhundert beschäftigt, kommt an ihr nicht vorbei: Die Reihe "Fourteenth Century England" geht nun ins dreizehnte Jahr, und auch der neue Band mit seinen insgesamt acht Beiträgen wartet mit einer Fülle an Informationen auf, die unser Bild des 14. Jahrhunderts um wertvolle Facetten bereichern.
Die Frühzeit des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich ist in nur einem Beitrag Gegenstand der Betrachtungen. Matthew Hefferan analysiert vergleichend die Männlichkeitsideale und -darstellungen Edwards III. von England (1327-77) and Philipps VI. von Frankreich (1328-50) (Masculinity and kingship during the early years of the Hundred Years War, c.1337-1350, 65-86). Er beschreibt den "extent to which these two men, and those who wrote about them, sought to couch the opening phase of the Hundred Years War in gendered terms" (66). Denn auch wenn "Maskulinität" eine Wortschöpfung des 18. Jahrhunderts ist, gab es im Mittelalter ein Bewusstsein dafür, was es bedeutete, ein Mann zu sein und als Mann zu agieren. Die Erwartungen, die sich an ein mannhaftes Verhalten des Königs richteten, waren eng an den Begriff des "Rittertums" mit seinen spezifischen Wertvorstellungen von physischer Kraft, hegemonialer Männlichkeit und Soziabilität gebunden. Edward III. beispielsweise verkörperte nicht nur in seinem äußeren Erscheinungsbild Männlichkeit, sondern motivierte auch seine Männer, mannhaft (viriliter) in den Kampf zu ziehen. Philipp VI. hingegen bescheinigte man gemeinhin Feigheit und fehlende Männlichkeit, "the antithesis of the masculine ideal" (81). Aus diesem Faktum ließ sich propagandistischer Nutzen ziehen.
Auch innerhalb Englands fanden immer wieder militärische Operationen des Königs gegen Rebellen statt. Andy King beschäftigt sich mit dem ersten erfolgreichen Versuch Edwards II., 1321 eine große Armee gegen seine erklärten Gegner (die contrariants) auszuheben ("For the purpose of punishing the injuries inflicted upon the King's people": Recruiting armies for the conflict in England, 1321-2, 41-63). Deutlich wird, in welchem Ausmaß England um 1320 eine militarisierte Gesellschaft war. Seit den 1290er Jahren hatte man fast ständig Krieg geführt - und so war man mit den Mechanismen der Truppenaushebung wohl vertraut, wobei in vorliegendem Fall den Sheriffs vor Ort eine herausragende Bedeutung zukam. 1321 gelang es Edward noch, die Rebellion der contrariants erfolgreich niederzuschlagen. Nur fünf Jahre später kämpfte er selbst ums Überleben.
Wenige Ereignisse innerhalb der englischen Geschichte sind durch die zeitgenössische Chronistik so gut erschlossen wie die Peasants' Revolt des Jahres 1381, der von Wat Tyler angeführte große Bauernaufstand gegen Steuern und soziale Ungerechtigkeit, der zwar niedergeschlagen wurde, aber langfristige gesellschaftliche Veränderungen anstieß. Als Hauptquelle für die Ereignisse gilt der in der Anonimalle Chronicle überlieferte Bericht, der selbst aber - das haben die Forschungen der vergangenen Jahrzehnte gezeigt - nicht frei von Unstimmigkeiten und Fehlern ist: "The Anonimalle Chronicle emerges less as a highly reliable eye-witness account and more as a patchwork, itself pieced together from various other sources." (131) Andrew Prescott unterzieht diesen Bericht einer Neubewertung in der Hoffnung, zur Identifizierung des Autors und zum besseren Verständnis des Berichts selbst beitragen zu können (The Anonimalle Chronicle narrative of the Peasants' Revolt of 1381, 131-159). Als Autor der Anonimalle Chronicle identifiziert wird mit guten Argumenten ein "official of the city of London" (150): John Marchaunt, common clerk, der auch als Anwalt am Stadtgericht tätig war.
Der Glaubwürdigkeit eines anderen Berichts spürt Randolph Jones am Beispiel der Chronik des Jean Froissart nach (Fact or fiction? Froissart's account of Henry Crystede's time in Ireland, 107-130). Analysiert wird Froissarts biographische Notiz über Henry Crystede, der Richard II. auf dem Feldzug gegen Irland 1395 begleitet haben soll - ein Bericht, der vor Ungenauigkeiten und sachlichen Fehlern strotzt. Jones stützt sich auf die überlieferten historischen Fakten, kontextualisiert die von Froissart geschilderten Sachverhalte breit, verfolgt die Karriere Crystedes weiter und trägt so bisher unbekannte Elemente zur Entschlüsselung der Identität dieser Person bei.
Alice Raw richtet den Blick auf eine geschlechtsspezifische Geldstrafe, die in erster Linie Frauen wegen sexueller Aktivitäten außerhalb der Ehe auferlegt wurde und die soziale und wirtschaftliche Dynamik des mittelalterlichen Englands widerspiegelt: Leyrwite (Life after Leyrwite. Sexual subjectivity on the medieval manor, c. 1270-c.1330, 1-17). Leyrwite verweist auf einen Moment im Leben unfreier Frauen, in dem ihr angebliches sexuelles Fehlverhalten kategorisiert, öffentlich gemacht und mit einer Geldstrafe belegt wurde. Eine öffentliche Anprangerung wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs bedeutete jedoch nicht den sozialen Tod. Es gab ein Leben nach Leyrwite.
Im Zentrum der Betrachtungen Peter McDonalds stehen die Auswirkungen des Provisionswesens auf diejenigen 5700 englische Pfarreien (von insgesamt 9500), für die Mönche, Regularkanoniker und Nonnen das Präsentationsrecht besaßen (Papal provisions and the patronage of English Religious Houses, 19-40) Im Zeitraum von 1305 bis 1352 wurden knapp 17.860 Benefizien frei, auf die der Papst zunehmende Ansprüche erhob. Auf breiter Quellenbasis wird überzeugend demonstriert, dass dieses konkurrierende Pfründenbesetzungsverfahren für den regulierten Klerus weit weniger dramatische Folgen zeitigte als gemeinhin angenommen. Die Eingriffe stellten sich auf dem Papier sehr viel dramatischer dar als in der Realität. Realiter unterlagen in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts nur zwischen 6-8% der neu zu vergebenden Pfründen kurialem Zugriff.
Die Mitte des 13. Jahrhunderts gegründete Palmers' Guild in Ludlow (Shropshire) gehörte am Vorabend der Reformation zu den größten Gilden Englands. Rachael Harkes untersucht deren Strategie bei der Erweiterung ihres Immobilienportfolios (Building success. Property investment and development in Ludlow, 87-105). Deutlich wird, wie sich als Ergebnis der Pest Mitte des 14. Jahrhunderts der Immobilienerwerb in Ludlow selbst rasant beschleunigte, so dass die Gilde zu einem der größten Vermieter aufstieg - Grundlage für eine weitere Expansion weit über Ludlow hinaus. Das Beispiel der Palmers' Guild zeigt, dass geistliche Gilden, die auf lange Zeit hin existieren wollten, sich auf dem Immobilienmarkt engagieren mussten.
Ende des 14. Jahrhunderts gab es eine Serie von prestigeträchtigen Bauprojekten, in die nicht nur die Aristokratie, sondern auch die miteingebunden waren, "whose wealth exceeded their social rank" (161). Jeremy Goldberg zeigt dies am Beispiel von Bewley Court, in der Grafschaft Wiltshire direkt gegenüber der Augustinerinnenabtei von Lacock gelegen - ein Anwesen, das Thomas Calston, "a Wiltshire gentleman", für seine Zwecke umbauen ließ (A Gentleman and his House: Thomas Calston and Bewley Court, Wiltshire (161-184)). Große Teile des Baus blieben bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts unverändert. Im Zuge von 1920 einsetzenden Restaurierungs- und Umbaumaßnahmen wurde der vorherige Zustand detailliert dokumentiert. Calston erwarb das Anwesen um 1387, kurz nachdem er durch eine Erbschaft zu erheblichem Reichtum gelangt war. Es ging ihm wohl darum, einen neuen Familiensitz zu schaffen, der symbolisch mit der Abtei verbunden war, deren Gründung auf eine seiner direkten Vorfahrinnen zurückging. Erhalten geblieben ist ebenfalls ein Verzeichnis der mobilia des Thomas Calston aus dem Jahr 1418. So ist nicht nur der architektonische Blick auf die Raumanordnung, sondern auch auf die Raumausstattung möglich. Gezeigt wird, dass "his new home did not have to work hard to advertise his status as a gentleman or a member of a military caste" (183).
Der Quellenreichtum der englischen Archive und Bibliotheken ist atemberaubend. Jeder der acht Beiträge demonstriert auf seine Weise, welche Ergebnisse sich durch eine minutiöse Analyse unbekannter und bekannter Quellen (mitunter auch à rebours) erzielen lassen. Die Forschungen zum 14. Jahrhundert jedenfalls wären deutlich ärmer ohne die Existenz der Reihe "Fourteenth Century England".
Ralf Lützelschwab